Einsatz von Jagdhunden

Grundsätzliches

Zur erfolgreichen Durchführung einer Bewegungsjagd gehört zwingend der

Einsatz dafür brauchbarer Jagdhunde. Oft erfolgt aber keine sinnvolle

und notwendige Tren- nung zwischen stöbernden Hunden und

Nachsuchenhunden, d.h. mitgeführte Hunde werden für beides eingesetzt.

Grundsätzlich sollen Hunde, die für die Nachsuche vorgesehen sind, nicht

stöbern.

Beim Hundeeinsatz sind Drückjagden auf Rehwild grundsätzlich anders zu

behan- deln als (reine) Schwarzwildjagden. Bei Jagden, in den nur oder

überwiegend Reh- wild bejagt wird, sollten einzeln jagende Hunde

bevorzugt werden.

Bei der Bejagung von Rehwild kann der Einsatz bestimmter Hunde

tierschutzrecht- lich problematisch sein. Dies ist nicht abhängig von

der Rasse, sondern von seinem Verhalten bzw. seiner Ausbildung und

Führung. So kann ein gut ausgebildeter (hoch- läufiger) Vorstehhund

besser geeignet sein als ein „schlechter“ Stöberhund.

Die heute in vielen Revieren vorhandenen Brombeerverhaue können für

kurzläufige Hunde problematisch sein. Hier kann der Einsatz größerer,

dornenfester Hunde von Vorteil sein.

Welche Hunde eingesetzt werden, hängt auch von Struktur und Größe der bejagten Fläche ab.

Aus den o. g. Gründen verzichtet der Landesjagdverband bewusst auf

die Be- nennung geeigneter Hunderassen. Er beschränkt sich auf die

Nennung von Eigenschaften, die für die Bewegungsjagd brauchbare

Jagdhunde besitzen sollten und solche, die Hunde für den Einsatz

untauglich machen.

Bei Bewegungsjagden mit Schwarzwildvorkommen müssen die eingesetzten

Hunde am Schwarzwild eingejagt sein. Vom Stand aus geschnallte, nicht an

Sauen eingejagte Hunde jagen häufig nur Rehwild und tragen wenig zum

Jagderfolg bei.

Für den Einsatz bei Bewegungsjagden brauchbar sind Hunde mit folgenden Eigen- schaften:

Finderwille

Spur- und Fährtenwille

Spur- und Fährtensicherheit (Nase)

Fährtenlaut

Wildschärfe und Härte

Verträglichkeit gegenüber Menschen und anderen Hunden

Gute Kondition und Ausdauer

Ausgeprägter Orientierungssinn und Rückfindevermögen

Völlig ungeeignet für Bewegungsjagden sind Hunde mit folgenden Eigenschaften:

Nicht jagende Hunde

Waidlaute Hunde

Stumme Hunde

Hunde mit übersteigertem Aggressionstrieb

Hunde ohne Bezug zu Führer und/oder Treiber

weit überjagende Hunde und Hunde ohne Orientierungssinn

Menschenscheue Hunde, die sich nach der Jagd nicht aufnehmen lassen

Nur sichtig und anhaltend jagende Hetzer

Solche Hunde stören den Jagdbetrieb, vereiteln den Erfolg der Bewegungsjagd und sind daher auszuschließen.


Versicherungsschutz

Es wird dringend empfohlen, die auf Bewegungsjagden eingesetzten

Hunde zu versichern (Verletzung, Diebstahl, Tod). Der Landesjagdverband

hat eine Rahmenvereinbarung mit einem Versicherer abgeschlossen, die

seinen Mit- gliedern günstige Konditionen für eine ganzjährige

Hundeversicherung bietet, die Risiken bei der Drückjagd mit einschließt.

Hunde anerkannter Nachsuchengespanne sind über die Jägervereinigung

bzw. den LJV versichert (Tod, Verlust, Verletzung des Hundes)

Es wird empfohlen, Hunde mit Warnhalsungen (abstreifbar) und mit

einer Te- lefon-Nummer zur raschen Rückholung im Fall eines Verlustes zu

versehen.


Stöberhundgruppen

Grundlage des Hundeeinsatzes muss das Papier des Tierschutzbeauftragten des JGHV sein.

Eine Meute darf nicht durch die Zahl der Hunde definiert werden, sondern ü- ber die Art des gemeinsamen Jagens.

Die Verwendung von Hundegruppen, die arbeitsteilig gemeinsam Wild

hetzen, greifen und ggf. töten, ist tierschutz- und jagdgesetzwidrig und

ist daher abzu- lehnen. Als tierschutzkonform ist anzusehen, wenn

mehrere unabhängig von- einander jagende Hunde gemeinsam ein Stück Wild

binden und greifen.

Der Einsatz von zwei oder mehr Hunden eines Hundeführers, die sich kennen und häufiger gemeinsam jagen ist waidgerecht.


Überjagende Hunde

Überjagende Hunde stellen grundsätzlich eine rechtswidrige

Beeinträchtigung des als absolutes Recht besonders geschützten

Jagdausübungsrechts des durch die ü- berjagenden Hunde betroffenen

Revierinhabers dar, selbst wenn die Hunde im frem- den Revier „nur“

erfolglos stöbern. Der betroffene Revierinhaber hat ein Überjagen nur zu

dulden, wenn alle möglichen und zumutbaren Maßnahmen gegen ein Überja-

gen unternommen wurden. Konkret heißt dies:

Zwar kann ein Überjagen nicht generell ausgeschlossen werden. Die

Jagdnachbarn können aber verlangen, dass der die Jagd organisierende

Jagdausübungsberechtig- te alle ihm möglichen und zumutbaren Maßnahmen

gegen ein Überjagen ergreift.

Nur wenn dies der Fall ist, hat der durch die überjagenden Hunde

betroffene Revier- inhaber die Beeinträchtigung seines Reviers zu

dulden. Andernfalls hat der betroffe- ne Revierinhaber einen rechtlich

auch im Vorfeld einer geplanten Jagd durchsetzba- ren

Unterlassungsanspruch, unabhängig von einem Verschulden des die Jagd

durchführenden Jagdausübungsberechtigten.

Welche Maßnahmen letztlich angemessen und sachgerecht sind, hängt von

den Umständen des Einzelfalls ab. Gelände, Bewuchs und Wildstand sind

maßgebliche, für die Beurteilung wichtige Faktoren. So können z.B. nur

in Abhängigkeit hiervon Grenzabstände für den Einsatz von Hunden benannt

werden. Liegt z.B. eine einen guten Wildeinstand bietende Dickung beim

betroffenen Jagdnachbarn direkt an der Jagdgrenze, sind die Pflichten

zum Ergreifen von Maßnahmen gegen das Überjagen strenger zu

interpretieren als bei einer Wald-Feld-Grenze, bei denen eine offene

Feldflur des Reviernachbarn von überjagenden Hunden betroffen wird. Der

Grad der Beeinträchtigung des Jagdausübungsrechts des Reviernachbarn ist

für die Wahl der gebotenen Maßnahmen entscheidend.

Der Landesjagdverband empfiehlt:

Revierinhaber von angrenzenden Revieren sollten bei überjagenden

Hunden ggf. eine rechtlich korrekte Abwicklung zurückzustellen zugunsten

einer re- vierübergreifenden, effektiven Bejagung einer großen Fläche.

Hunde sollten in Grenznähe nicht geschnallt werden, wenn sich dort im Nach- barrevier (nicht bejagte) Wildeinstände befinden.

Bei Bewegungsjagden sollte grundsätzlich von der Grenze weggetrieben wer- den.

Im Zweifelsfall müssen in Grenznähe die Hunde angeleint werden und Treiber alleine das Treiben durchführen.

Kooperation mit Nachbarn (auch solchen, die sich nicht an

gemeinsamen, re- vierübergreifenden Bewegungsjagden beteiligen wollen)

Einsatz bogenreiner Hunde


Nachsuche

Für potentiell notwendige Nachsuchen nach einer Bewegungsjagd sind

eine ausreichende Anzahl von geeigneten Nachsuchengespannen bereit zu

halten. Um deren Verfügbarkeit sicherzustellen, sind Gespanne

rechtzeitig einzuladen bzw. zu informieren. Entsprechende Adressen sind

periodisch im Mitteilungs- blatt des LJV veröffentlicht.

Es wird dringend der Einsatz von routinierten Spezialisten empfohlen,

da die Nachsuchen auf Bewegungsjagden häufig schwieriger sind als auf

der Einzel- jagd (Verleitung, Schleppspuren, mehrere Fährten).

Die Nachsuchengespanne werden grundsätzlich vom Jagdleiter oder dafür autorisierten Anstellern eingewiesen.

Eigenmächtige Nachsuchen von Schützen mit Hund dürfen nicht geduldet werden.

Nachsuchen müssen so organisiert werden, dass sie möglichst rasch

nach Ende eines Treibens beginnen können, nicht erst am Ende einer Jagd

(be- sonders wichtig bei Jagden mit mehreren Treiben).

Der Anschuss muss vom Schützen sorgfältig und deutlich gekennzeichnet

werden. Dabei ist Brauchtum zweitrangig, d.h. Flatterband oder andere

farbige Bänder, Papiertaschentücher o.ä. sind dazu besser geeignet als

die traditio- nellen Brüche.

Der Schütze muss vor der Nachsuche für Auskünfte bereit stehen

(Anschuss zeigen und markieren, Beobachtungen über Pirschzeichen…)

Bei der Nachsuche selbst muss der Schütze nicht dabei sein, ggf.

stört er so- gar. Die Nachsuche wird am besten durchgeführt durch den

Nachsuchenfüh- rer und seinen Helfer. Unbeschadet dessen sollte jeder

Schütze bereit sein, an einer Nachsuche auf Bitten des Hundeführers

mitzuwirken.

Falls ein Nachsuchenführer am Folgetag der Jagd nochmals suchen muss,

sollte er grundsätzlich vom Verursacher Kilometergeld und

Auslagenersatz erhalten.

Die Einladung des Nachsuchenführers zur Teilnahme an der Jagd als Schütze ist Ehrensache.


Grenzen des Hundeeinsatzes

Die unter Ziffer 3 genannten Grenzen der Jagdart gelten besonders auch

im Hinblick auf einen tierschutzgerechten Einsatz von Jagdhunden.

Eine Bewegungsjagd ist für Hunde insbesondere in großen Maisschlägen schwierig:

viele Fährten („Duftwolke“ im gesamten Bestand) erschweren die Arbeit

Verletzungsgefahr durch quer zu den Reihen laufende Sauen, je größer Hun- de sind, desto größer ist die Gefährdung

Stöberjagd im Mais ist insgesamt problematisch; unter

Sicherheitsaspekten strikt abzulehnen sind v. a. Durchgehschützen mit

nach UVV unzulässig gela- denen Waffen, die auch für Hunde eine Gefahr

darstellen.