Organisation

Organisation von Bewegungsjagden

Voraussetzung für den erfolgreichen und sicheren Verlauf einer

Bewegungsjagd ist eine gute und reibungslose Organisation. Dies

bedeutet:

Keine Spontanjagden, sondern Durchführung nur nach sorgfältiger,

langfristi- ger Planung. Dies gilt nicht für „Kreisen“ von Schwarzwild

in Maisschlägen oder Dickungen/Einständen. Dies muss i. d. R.

kurzfristig organisiert und durchgeführt werden.

Bewegungsjagd, insbesondere auf Schwarzwild, ist nur sinnvoll, wenn

diese auf großer Fläche durchgeführt werden kann (große Jagdbezirke

oder revier- übergreifende Jagd)

Die Organisation ist bei erstmaliger Durchführung zwar aufwändig, bei weite- ren Jagden wird sie zur Routine.

Ein zügiger Ablauf der Jagd ist –insbesondere aus wildbrethygienischer Sicht - sinnvoll.

Eine erfolgreiche Jagd bedarf einer konsequenten Jagdleitung (s. Ziffer 8).


Abschussfreigabe

(Wildarten)

Grundsätzliches:

Wegen des hohen organisatorischen Aufwands und der intensiven

Beunruhi- gung von Wild am Jagdtag sollten grundsätzlich alle Wildarten,

die im Jagd- gebiet vorkommen und Schusszeit haben, freigegeben werden.

Dabei sind bei wiederkäuendem Schalenwild Abschussplanvorgaben zu be- achten.

Die abschließende Freigabe trifft die Jagdleitung vor der Jagd.

Jagdleitung und Schützen müssen ethische Aspekte, insbesondere den Mut- tertierschutz, beachten.

Die gemeinsamen Grundsätze zum „Muttertierschutz“ von WFS, LJV und MLR

sind Bestandteil der Empfehlungen zur Bewegungsjagd des LJV.


Schwarzwild:

grobe Sauen (vermutlich Leitbachen) und einzeln kommende starke

Stücke, die nicht eindeutig als Keiler anzusprechen sind, laufen lassen,

aber keine de- zidierten Gewichtsbeschränkungen!

Grundsätzlich gilt: Frischlinge vor Bachen, braune Stücke vor schwarzen Stü- cken schießen.


Rehwild:

Eindeutige Vorgabe, dass nur auf verhoffende Stücke geschossen werden darf

Nach wildbiologischen Erkenntnissen

besteht bis Anfang November eine sehr enge Bindung zwischen Geiß und

Kitz. Deshalb sollten Bewegungsjagden (im Wald) erst ab Mitte November

durchgeführt werden.

Grundsätzlich gilt: Kitze vor Geiß erlegen.


Rotwild:

Die Bejagung dieser Wildart stellt besondere Anforderungen an die Fähigkeit des

Schützen zum korrekten Ansprechen.

Dabei ist besonders zu berücksichtigen, dass zwischen Kalb und Tier

eine sehr enge und lange Bindung besteht, die sich meist erst im 3.

Lebensjahr endgültig lockert. Deshalb sollte das Erlegen von Alttieren

bei Bewegungsjag- den auf Doubletten (Kalb und Tier) beschränkt bleiben,

wenn die Zugehörig- keit des Kalbes zum Alttier unzweifelhaft ist.


Vergabe von Ständen

Die Jagdstände sollten nach den Fähigkeiten der Eingeladenen verteilt

wer- den. Ein Verlosen der Stände vermittelt zwar nach außen den

Eindruck der Chancengleichheit, kann aber den Jagderfolg erheblich

beeinträchtigen.

Bekannt gute, zuverlässige und sichere Schützen sollen v. a. an

kritische Plätze (z.B. mit schwierigem Schussfeld) gesetzt werden, um

den Jagderfolg zu garantieren und Unfälle zu vermeiden.


Dauer von Treiben

Bei der Festlegung der Dauer von Treiben sind Aspekte der Wildbrethygiene beson- ders zu

berücksichtigen (siehe Ausführung unter Nr. 10. 2).


Jagdablauf

Anstellen:

Im Interesse aller Beteiligten sollte sichergestellt sein, dass nach

den Bekanntgaben der Jagdleitung das Anstellen zügig erfolgt. Dabei ist

die Beachtung folgender Emp- fehlungen hilfreich:

Kleingruppen können rasch angestellt und wieder eingesammelt werden.

Je- der Ansteller sollte deshalb nur eine kleine Gruppe von Schützen

anstellen, ca. 6-7 Jäger werden als ideale Gruppengröße betrachtet.

Diese Kleingruppen sollten am besten gemeinsam an- und abfahren.

Jagdende:

Nach dem Ende der Jagd vergeht oft eine ziemliche lange Zeit, bis die

Strecke gelegt wird, z.B. bei notwendigen Nachsuchen. Dies ist –

besonders bei ungünstiger Witte- rung – nachteilig für die

Jagdbeteiligten, aber auch aus Gründen der Wildbrethygiene ungünstig.

Deshalb empfiehlt der Landesjagdverband:

Jeder Ansteller ist auch grundsätzlich für die Bergung von erlegtem Wild bzw.

Nachsuchen verantwortlich, auch hier sind kleine Gruppen effektiver und aus

Sicht der Wildbrethygiene günstiger.

Es muss mit dem Streckelegen nicht bis zum letzten Stück gewartet werden.

Aus Gründen der Wildbrethygiene ist es sinnvoll, nur einen Teil der

erlegten Stücke auf die Strecke zu legen, am besten solche, die erst

spät im Verlauf der Jagd erlegt wurden. Die anderen Stücke sollten in

eine Wildkammer bzw. Kühleinrichtung verbracht werden bzw. dort

verbleiben.


Abstimmung mit Reviernachbarn bzw. deren Einbeziehung

Bei gemeinsamen Jagden sollten die Treiben in allen beteiligten

Revieren gemeinsam beginnen und enden, außerdem sollte gewährleistet

sein, dass in allen beteiligten Revieren die gleichen Regeln, v. a.

hinsichtlich der Freigabe von Wildarten und Geschlechtern, gelten.

Aus Sicherheitsgründen müssen Reviernachbarn (auch solchen, die sich

nicht am gemeinsamen Jagen beteiligen) Stände in der Nähe der

Reviergrenzen bekannt gegeben werden.

Insbesondere bei der Bejagung von Schwarzwild ist es sinnvoll, wenn

in ei- nem größeren Gebiet sich alle Reviere an der Bewegungsjagd aktiv

beteili- gen, ein „Abstauben“ an der Reviergrenze bringt nichts.

Wenn ein Jagdpächter sich nicht an einer revierübergreifenden

Bewegungs- jagd beteiligen will und dies sachlich begründet (z.B.

erkennbar unzureichen- de Vorbereitung, im eigenen Revier einziger guter

Einstand) muss das akzep- tiert werden. Kein Entschuldigungsgrund ist

die Freigabe von Rehwild (die schießen nur „meine“ Rehe!) in

Nachbarrevieren.

Schussabgabe an der Grenze bzw. ins Nachbarrevier bei krankem

Wild/Nachsuchen:

Die Wildfolge ist gesetzlich geregelt. Es wird den Revierinhabern

empfohlen, die Nachsuchenvereinbarung des Landesjagdverbandes zu

unterschreiben, damit im Interesse des Tierschutzes und der

Waidgerechtigkeit ggf. rasch und unbürokratisch notwendige Nachsuchen

erfolgen können.