Rechtliche Aspekte

Rechtliche Aspekte bei Bewegungsjagden

Bei der Organisation und Durchführung von Bewegungsjagden sind einschlägige

Rechtsvorschriften aus den Bereichen

Jagdrecht (Bundes- und Landesjagdgesetz, Durchführungsverordnung zum

LJagdG)

Waffenrecht (WaffG, WaffGVO)

Lebensmittelhygienerecht (EU-und –Bundesverordnungen)

Tierschutzrecht (Tierschutzgesetz),

Sonn- und Feiertagsgesetz und

Unfallverhütungsvorschriften Jagd zu beachten.

Hinzu kommen ggf. weitere rechtliche Vorschriften, z.B. Regelungen des

Natur- schutzrechts bei der Bejagung von Flächen in Schutzgebieten.


Waffenrecht

Bisher gehörte zum jagdlichen Brauchtum, dass Schützen beim Verblasen

der Stre- cke mit der Waffe vor dem Wild stehen. Viele Jäger bringen

inzwischen von sich aus zum Sammeln oder Streckelegen aus

Sicherheitsgründen keine Waffen mehr mit. Das Belassen der Waffe im

Fahrzeug beim Sammeln vor der Jagd, beim Streckele- gen oder beim

Schüsseltreiben ist nach den derzeit geltenden waffenrechtlichen

Vorschriften i.d.R. nicht zulässig. Eine praxisgerechte

Verwaltungsvorschrift ist noch nicht erlassen.

Empfehlungen des Landesjagdverbandes

Jagdliches Brauchtum (Streckelegen, Verblasen der Strecke und

Übergabe von Brüchen) muss Bestandteil jeder Bewegungsjagd bleiben.

Ggf. muss sich das jagdliche Brauchtum an rechtliche Vorgaben und

Sicher- heitsaspekte anpassen. Der LJV sieht es mit dem jagdlichen

Brauchtum als vereinbar an, wenn z.B. aus Sicherheitsgründen auf ein

Tragen der Waffen beim Streckelegen verzichtet wird.

Waffen sind beim Sammeln und Streckelegen nur dann nicht mitzunehmen,

wenn dies aus waffenrechtlicher Sicht möglich ist (z. B gesammeltes

Abstellen der Waffen in Sichtweite des Streckelegens bei gesicherter

Überwachung;, Belassen im Fahrzeug, wenn Jäger dies dauerhaft im Blick

hat; abschließba- rer, durch Berechtigte bewachter Raum zur Aufbewahrung

der Waffen)

Auf keinen Fall ist es zu akzeptieren, dass Jäger zum Sammeln und

Strecke- legen, zwischen den Treiben (Mittagessen) oder beim

Schüsseltreiben gela- dene oder unterladene Waffen mitnehmen. Die

einschlägigen Sicherheitsbe- stimmungen (WaffG und UVV Jagd) sind

unbedingt zu beachten.


Lebensmittelhygienerecht

Zu beachten sind insbesondere einschlägige und für Bewegungsjagden

relevante Vorschriften der EU-Verordnungen 178/2002, 852/2004 und

853/2004 sowie den deutschen Durchführungsvorschriften

(Lebensmittelhygiene-Verordnung und Tieri- sche

Lebensmittelhygiene-Verordnung). Hierzu gehören u. a. die Beachtung

bedenk- licher Merkmale vor dem Schuss, bedenkliche Merkmale beim

Ausweiden, hygie- nisch einwandfreies Transportieren und Strecke legen

sowie das einwandfreie La- gern von Wild, beim Schwarzwild auch die

Entnahme von Proben zur Trichinenun- tersuchung.

Relevant sind außerdem Hygienevorschriften der EU (VO EG 1774/2002)

bzw. des Bundes für nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte

tierische Nebenprodukte. Der Bereich „Wildbrethygiene“ wird im Folgenden

ausführlich gesondert behandelt.


Tierschutz und Waidgerechtigkeit

Die Bewegungsjagd ist mit den Grundsätzen einer ethischen,

waidgerechten Jagd- ausübung vereinbar. Die „Empfehlungen“ tragen den

Aspekten des Tierschutzes und der Waidgerechtigkeit bei verschiedenen

Themen besonders Rechnung (z.B. Hun- deeinsatz, Schießfertigkeit,

Brauchtum, Muttertierschutz).

Empfehlungen des Landesjagdverbandes:

Zur Waidgerechtigkeit gehört ein sachlicher und respektvoller Umgang mit er- legtem Wild.

Zuführung erlegter Füchse zu staatlichen Untersuchungsprogrammen.


Sonn- und Feiertagsgesetz

Die Ausübung von Treibjagden an Sonn- und Feiertagen ist grundsätzlich

verboten. Treibjagden im Sinne von § 42 Abs. 1 LJagdG sind Jagden, bei

denen mehr als vier

– bei der Jagd auf Schalenwild im Wald mehr als acht Schützen - oder

mehr als vier Treiber teilnehmen. Ausnahmeregelungen vom Treibjagdverbot

durch die zuständige Behörde sind möglich.

Der Landesjagdverband empfiehlt, Ausnahmen nur sehr restriktiv zu

beantragen (Un- tere Verwaltungsbehörde) und Treibjagden im Sinne von §

42 LJagdG an Sonn- und Feiertagen möglichst zu vermeiden.


Unfallverhütungsvorschriften Jagd

Von den Unfallverhütungsvorschriften „Jagd“ (VSG 4.4) der

landwirtschaftlichen Be- rufsgenossenschaft sind bei Bewegungsjagden

besonders zu beachten:

Vorschriften über Waffen und Munition (z.B. VSG Jagd § 2 Abs.4: getrenntes

Mitführen von Schrotpatronen und Flintenlaufgeschossen)

Vorschriften über die Waffenhandhabung (§ 3, Abs. 1-6)

Vorschriften über Gesellschaftsjagd (§ 4, Abs. 1-13): Abs. 1: Bestimmung eines Jagdleiters

Abs. 2: Anordnungen des Jagdleiters

Abs. 3: Regelungen über Laden und Entladen der Waffe auf dem Stand

Abs. 4: Ausschluss von Personen mit mangelnder geistiger und körperlicher

Eignung

Abs. 5: Einsetzen von Beauftragten

Abs. 6: Einweisen in den Stand, Verhalten am Stand Abs. 7: Gefährdung

von Personen, Durchgehschützen Abs. 8: Schießen ins Treiben hinein

Abs. 10: Zustand der Waffe außerhalb des Treibens

Abs. 11: Durchgeh- und –Treiberschützen

Abs. 12: Farbliche Kennzeichnung aller Jagdbeteiligten

Abs. 13: Einstellung der Jagd bei schlechten Sichtverhältnissen

Vorschriften über Nachsuchen (§ 5 Abs. 1-5)

Vorschriften über die Sicherheit von jagdlichen Einrichtungen (§ 7)