Wildbrethygiene



Grundsätze

Die Gewinnung von wildbrethygienisch einwandfreiem Wildbret als natürliches Lebensmittel ist ein wichtiger Aspekt bei der Bejagung von Schalenwild im Rahmen von Bewegungsjagden. Jäger müssen deshalb auf allen Stufen des Umgangs mit Wild im Bewusstsein der Gewinnung eines hochwertigen Lebensmittels agieren und ihr Handeln auch und gerade unter Gesichtpunkten der Wildbrethygiene ausrichten.

Die Jagdleitung hat hierbei hohe Verantwortung und muss wildbrethygienische Gesichtspunkte bei Organisation und Durchführung von Jagden berücksichtigen. Wildbrethygiene muss ggf. Vorrang vor jagdlichem Brauchtum haben. Die im Rahmen der AG Wildbrethygiene des MLR erarbeiteten Positionspa- piere: -- Leitfaden zur hygienischen Gewinnung von Wildbret im Rahmen der Primärproduktion -- Anforderungen an Wildkammern

sind Bestandteil der „Empfehlungen zur Bewegungsjagd“. Insbesondere der „Leitfaden…“ ist eine allgemeingültige Handlungsempfehlung, auch wenn er nicht speziell auf Bewegungsjagden eingeht.


Dauer von Treiben

Der Leitfaden zur hygienischen Gewinnung von Wildbret“ der AG Wildbrethygiene empfiehlt, dass zwischen dem Erlegen und dem Aufbrechen nicht mehr als drei Stunden vergehen sollten. Der Landesjagdverband konkretisiert diese Angabe dahingehend, dass sich die reine Jagdzeit eines Treibens auf 1,5 Stunden beschränken soll, damit die genannte Zeitdauer von 3 Stunden zwischen Erlegen und Aufbrechen auch eingehalten werden kann. Die

empfohle- ne Jagdzeit von 1,5 Stunden umfasst die Zeit, in der Treiber und Hunde laufen bis zum „Hahn in Ruh“, nicht die Zeit für Anstellen, Bergen von Wild und Nachsuchen. Kürzere Treiben erhöhen auch die Konzentration der Schützen. Die Dauer eines Treibens hat sich auch an der Tagestemperatur und den räumlichen Revierverhältnissen zu orientieren (z. T. lange Wege zum Ansitzplatz)


Aufbrech- oder Schusspausen

Verschiedentlich wird die Unterbrechung von Treiben durch so genannte Aufbrech- oder Schusspausen diskutiert. Der Landesjagdverband sieht diese Unterbrechungen als ungeeignet an und empfiehlt, darauf zu verzichten. Sie erhöhen das Sicherheitsrisiko für Jäger, stellen im Jagdablauf ein Zeitproblem dar und erschweren ggf. die Nachsuche.


Bedenkliche Merkmale am lebenden Stück

Auf den Standkarten sollte auch die Möglichkeit bestehen, bedenkliche Merkmale bei der Lebendansprache (z.B. abnorme Bewegungen, Verschmutzung des Spiegels, u. a. ) zu vermerken. Jäger sollten – auch wenn sie nicht zu Schuss kommen oder ein Stück fehlen - beobachtete bedenkliche Merkmale lebender Stücke dem Jagdleiter unbedingt melden.Erlegte Stücke mit erkannten bedenklichen Merkmalen am lebenden Stück sollten deutlich gekennzeichnet bzw. markiert werden, damit dies bei der weiteren Behandlung entsprechend berücksichtigt werden kann


Abtransport von erlegtem Wild

Ein unnötig langes Liegenlassen von erlegtem Wild ist zu vermeiden. Für einen zügigen Abtransport des Wildes sollte der jeweilige Ansteller verantwortlich sein. Es müssen ausreichend Fahrzeuge und/oder

aus- reichend große Hänger zum Abtransport bereit stehen. Auf die räumliche Trennung von Schalenwild und Haarraubwild beim Abtransport ist zu achten.


Kennzeichnung von Wild

Um bei größeren Strecken ein erlegtes Stück einem Schützen eindeutig zuordnen zu können, wird eine Kennzeichnung, z.B. mit Ohrmarken oder Kunststoffclips, bei oder nach dem Bergen des Wildes empfohlen. Dies

gilt im Be- sonderen für Schwarzwild (Trichinenschau)


Aufbrechen

Das Aufbrechen von erlegtem Wild sollte grundsätzlich nicht durch den Schützen selbst am Stand erfolgen, sondern an einem zentralen Aufbrechplatz. Von diesem Grundsatz kann abgewichen werden, wenn z.B.

die Topografie des Reviers eine rasche Bergung des Wildes erschwert. Anforderungen bei zentralem Aufbrechen:


• Erzeugung von Qualitätswildbret ist oberstes Gebot und muss Vorrang haben

• Zentraler Aufbrechplatz muss sauber sein (befestigter Untergrund, Plane, Auf- brechböcke, Galgen zum Aufbrechen, Ausschweißen und Abtrocknen des Wildes

• Vorhandensein von ausreichend Trinkwasser und ggf. Licht

• Aufbrechen möglichst durch Fachpersonal (Metzger), Falls der Metzger nicht Jäger ist, sollte ein „kundiger Jäger“ (EU-VO 853/2004) für Zweifelsfälle bereit stehen und zu Rate gezogen werden.

• Bedenkliche Merkmale unbedingt beachten, ggf. müssen bedenkliche Stücke und ihr gesamtes Gescheide eindeutig zuzuordnen sein

• Großzügiges Ausschneiden bei Waidwundschüssen

• Ausreichend geeignete Behälter für Aufbruch bereit stellen, Entsorgung (TBA) muss vorab organisiert werden

• Hunde haben am Aufbrechplatz nichts zu suchen

• Den Ablauf störende Besuche des Aufbrechplatzes durch Schützen oder Passan- ten sollten unterbleiben

• rechtzeitige Terminabstimmung mit Veterinär wegen Trichinenprobenentnahme Bewegungsjagden sind eine gute Möglichkeit, Jagdscheinanwärtern das Auf- brechen und Versorgen von Wild praktisch zu demonstrieren oder dies selbst ausführen zu lassen. Allerdings darf die Demonstration des Abstreifens von Fuchs und Marder nicht direkt am Aufbrechplatz erfolgen.


Strecke legen

Bisher war es – z.T. auch bei großen revierübergreifenden Drückjagden üblichzentral Strecke zu legen mit allen erlegten Stücken. Oft wird beim Streckelegen ge- wartet, bis auch das letzte nachgesuchte Stück

angeliefert wird. Dies ist aus Grün- den der Wildbrethygiene bedenklich, da die Stücke möglichst schnell gekühlt werden sollen und die Gefahr der Verunreinigung besteht. Das Streckelegen als stilvoller Abschluss einer Bewegungsjagd gehört zum jagdlichen Brauchtum und wird deshalb zu Recht von den meisten Jägern erwartet. Es muss deshalb fester Bestandteil einer Bewegungsjagd sein. Aber: Je nach Situation (Zahl und Dauer der Treiben, Größe der Strecke, Nachsuchen…) ist ggf. ein differenziertes Vorgehen notwendig, wobei die Anforderungen der Wildbrethygiene Vorrang haben müssen. Lösungsansätze: Aus Gründen der Wildbrethygiene Legen einer repräsentativen Strecke, d.h. von jeder erlegten Wildart wird ein Stück auf die Strecke gelegt, dabei ist bei Schalenwild möglichst frisch erlegtes Wild verwenden (bei mehreren Trieben z.B. Strecke des letzten Treibens am Nachmittag). Wild das sich bereits in der Wildkammer befindet, gehört nicht mehr auf die Strecke ggf. sollte beim „Streckelegen“ auch hängendes Wild akzeptiert werden. Möglich ist auch, auf das Legen einer Strecke generell zu verzichten. Der Jagdleiter gibt die Strecke nur bekannt, die Strecke wird verblasen und die Schützenbrüche verteilt. Wie das gehandhabt wird, soll letztendlich der Jagdleiter entscheiden.Wenn Nachsuchen das Streckelegen zu sehr verzögern, soll die Strecke verblasen und ordnungsgemäß versorgt werden, auch wenn noch nicht alles liegt. Aus wildbrethygienischer Sicht unbedingt zu vermeiden sind ein zu langes Liegenlassen auf der Strecke, Stücke in den Dreck zu legen und Stücke mit der geöffneten Seite nach unten zu legen (auch bei Reisigbett). Es ist unbedingt dafür Sorge zu tragen, dass keine Hunde an erlegte und auf- gebrochene Stücke gelangen.


Transport von aufgebrochenem Wild

Wichtig ist, dass vom Aufbrechplatz bzw. vom Platz des Streckelegens zur Wildkammer genügend Transportkapazität vorhanden ist, ggf. muss mehrfach gefahren werden. Zum Wildtransport verwendete Anhänger und sonstige Behältnisse müssen sauber sein Auf Anhängern einlagiger Transport; wenn Schnittstelle nach oben zeigt, Wild abdecken (wg. Spritzwasser …) weniger geeignet ist hängender Transport (Spritzwasser), dieser ist

für schweres Wild ohnehin nicht oder nur schwer praktikabel kritisch für den Transport von aufgebrochenem Wild sind nach unten und oben offene Anhängergitter wegen der Gefahr der Verunreinigung von Wild durch Abgase, Spritzwasser und Schmutz (Wanne verwenden oder Gitter ggf. abdecken).Raubwild darf nicht in direktem Kontakt mit anderem erlegten Wild transportiert werden.


Nachgesuchtes Wild

Genusstauglichkeit hat Vorrang. Hier sind strenge Kriterien anzulegen. Bei notwendigen Nachsuchen ist zwischen Belangen des Tierschutzes und wildbrethygienischen Aspekten abzuwägen. Der Jagdleiter muss eindeutig entscheiden. Wichtige Entscheidungsgrundlagen sind: welchen Schuss hat das Stück, wie schnell wurde es gefunden bzw. wie lange ist es schon tot? So ist bei einem Waidwundschuss nach ca. 3 Stunden die Genusstauglichkeit

kritisch, ebenso bei bereits eingetretener Totenstarre Im Zweifelsfall: Beurteilung durch amtliche Untersuchung oder kritische Stü- cke nicht der Verwertung zuführen


Wildbretvermarktung

Bei Bewegungsjagden ist i. d. R. davon auszugehen, dass eine höhere Stückzahl an Wild anfällt, das vermarktet werden muss. Deshalb wird empfohlen, sich bereits im Zuge der organisatorischen Vorbereitungen

auch um den Wildbretabsatz zu kümmern.Nach Lebensmittelhygienerecht möglich ist die Abgabe an:


• Jagdteilnehmer (Abgabe als Primärprodukt in Decke, Schwarte, Federkleid)

• Zugelassene Wildbearbeitungsbetriebe (zu beachten: Wild muss vor Abgabe durch entsprechend geschulte „kundige Person“ auf bedenkliche Merkmale untersucht werden und eine von der kundigen Person unterzeichnete Unbe- denklichkeitsbescheinigung beifügen werden. Wenn Wild nicht von einer kun- digen Person abgegeben wird, müssen die roten Organe und das Haupt mit abgegeben werden).

• Einzelhandelsbetriebe und Endverbraucher als Primärprodukt oder abgezo- gen und/oder zerwirkt (zu beachten: Abgabe nur im Umkreis von 100 km um Erlegungs- oder Wohnort des Revierinhabers möglich). Bei Schwarzwild

sind die Vorschriften über die Trichinenschau zu beachten. Für die regionale Vermarktung von Wild und Wildbret an Endverbraucher und Ein- zelhandelsbetriebe gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die an dieser Stelle nicht detailliert dargestellt werden können. Der LJV wird dazu gesonderte Hinweise erarbeiten und veröffentlichen.