Winterfütterung

Winterfütterung Greifen & Eulen


Fütterung nur für Spezialisten: Greifvögel und Eulen

Eine Sonderstellung kommt in jeder Hinsicht der Fütterung von Greifen

und Eulen zu. Hier kann die Winterfütterung wegen der geringen

Restvorkommen vieler Arten in besonders strengen Wintern auch

naturschützerisch sinnvoll sein und einen Beitrag zum Überleben der

Arten leisten. Populationseinbrüche auf rund ein Zehntel des

Vorwinterbestandes sind möglich und bei kleinen Ausgangszahlen kann am

Ende des Winters der gesamte Bestand vernichtet sein.

Die Fütterung von Greifen und Eulen weicht verständlicherweise auch im

Hinblick auf Futter und Futterstelle von dem bisher Beschriebenen ab.

Bussarden, Milanen und Falken kann man Schlachtabfälle, Innereien oder

ganze Hasen- und Katzenkadaver anbieten. Größere Fleischstücke sollten

angeritzt werden, damit die Tiere mit dem Schnabel kleine Streifen

herauslösen können. Auf keinen Fall dürfen "mundgerechte" Fleischbrocken

ausgelegt werden, da im Ganzen verschluckte Stücke wie ein Eisklumpen

im Magen liegen und dann zu Verdauungsschwierigkeiten oder sogar inneren

Verletzungen führen können.

Eulen nehmen nur lebende Nahrung an, weil sie nach Gehör jagen. Mit

Fleischabfällen ist ihnen also nicht gedient. Man kann entweder Mäuse in

großen Wannen aussetzen - wobei die Tiere leicht erfrieren, also eine

wärmende Strohschicht oder gar eine Art Ofen gebraucht wird - oder Mäuse

und andere Kleinsäuger lediglich anlocken. Dazu werden Dreschabfälle,

Getreide oder altes Brot ausgelegt. Die Eulen finden schnell heraus,

dass sich dort Beutetiere ansammeln. Wer Greifen und Eulen helfen will,

sollte unbedingt vorher mit der örtlichen Naturschutzgruppe Kontakt

aufnehmen und sich beraten lassen.

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Vögel treten nur selten als Nahrungskonkurrenten des Menschen auf, sie

ernähren sich in erster Linie von solchen Pflanzen und Tieren, die der

Mensch aus seiner Position heraus für unnütz oder schädlich hält und

deren Sammelbegriff er daher gerne mit der Vorsilbe "un" versieht:

"Unkraut" und "Ungeziefer". Eine recht umfassende Abhandlung über unsere

heimischen Wildfutterpflanzen und ihre gefiederten Nutznießer findet

der Vogelfreund bei SABEL [16]; das 20seitige Verzeichnis der

Vogelfutterpflanzen am Ende des Buches gewährt einen schnellen Überblick

darüber, welche Pflanzenteile in welchen Entwicklungsstadien zu welchen

Jahreszeiten und in welchem Maße von welchen Vogelarten aufgenommen

werden. Hier wird schnell klar, daß allein schon unsere heimischen

Pflanzenfresser ganz unterschiedliche Ansprüche an ihre Nahrung stellen,

die sowohl von der Größe, der äußeren Form und inneren Struktur ihrer

Schnäbel als auch von den Inhaltsstoffen der bevorzugten Pflanzen

abhängen.

Die Vielfalt der Nahrungsquellen einer vom Menschen unberührten

Landschaft ist daher von keiner Futtermischung zu erreichen. Die übliche

Handelsware stammt ja nur von wenigen, einseitig auf Ertrag gezüchteten

Kulturpflanzen und kann durchaus schon längere Zeit gelagert sein.

Hinzu kommt noch, daß sie möglicherweise – anders als in der Natur – in

einer Weise angeboten wird, die dem natürlichen Verhalten mancher

nahrungssuchender Vögel nicht entspricht.

Wer nur ganz bestimmte Arten verpflegen möchte, findet in einigen

Schriften [z. B. 6, 9] Tabellen, die das für diese Vögel geeignete

Futter aufführen. SINGER [20] nennt sogar für jede beschriebene Art

einzeln das geeignete Winterfutter, und auch die zahlreichen

Bestimmungsbücher und Monografien gehen mehr oder weniger ausführlich

auf die Nahrungsansprüche ein. Wer also etwa nur Seidenschwänze, nur

Stieglitze, nur Baumläufer oder nur bestimmte Greifvögel oder

Wasservögel z. B. füttern möchte, kann so das Winterfutter ganz speziell

auf diese Vogelarten abstimmen – ohne allerdings ausschließen zu

können, daß sich auch einige andere Arten bedienen.

Da viele Vögel in Notzeiten durchaus flexibel sind, kann man für solche

Arten, die ähnliche Nahrungsansprüche haben, Futtermischungen

zusammenstellen oder kaufen, die recht akzeptable Kompromisse

darstellen:

Körnermischungen

Gute Samenmischungen bestehen zu gut zwei

Dritteln aus Sonnenblumenkernen und zu ca. einem Viertel aus Hanfsaat;

beide Saaten sind aufgrund ihres relativ hohen Ölgehaltes recht

energiereich. Der Rest sollte aus Haferflocken, gehackten Nüssen und

kleineren Sämereien bestehen, wie sie teilweise in handelsüblichen

Kanarien- und Waldvogelfutter enthalten sind.

Für diejenigen Vogelfreunde, die es genauer wissen wollen, hat das

»Institut für Ökologie« in Karlsruhe [10] einmal solche Futterpflanzen

aufgelistet, deren Samen sich als Wintervogelfutter eignen: Hirse,

Ramtil (= Negersaat), Mohn, Lein, Salat, Sommerrübsen, Distel, Klette,

Vogel(stern)miere, Vergißmeinnicht, Nachtkerze, Ampfer, Melde,

Knöterich, Waldgeißbart, Heidekraut, Wegerich, Hirtentäschel, Löwenzahn,

Gras (= Wildgräser) und Getreide (bzw. Dreschabfälle, besonders vom

Hafer), Gurke, Kürbis und Melone, Nußbäume, Nadelgehölze, Buche, Erle,

Birke , Ahorn, Esche, Apfel- und Birnbaum.

Eine solch vielseitige Mischung wird fast allen Geschmäckern unter den

Körnerfressern gerecht. Während Sonnenblumenkerne, Hanfsaat, Haferkerne

bzw. -flocken, Rübsamen, Kanariensaat und Hirse und auch – je nach

Zusammensetzung – Waldvogelfutter- und Wildsamenmischungen recht

preiswert sind, haben die meisten Einzelsaaten von Wildkräutern und

Bäumen, sofern sie überhaupt erhältlich sind, einen recht hohen

Kilopreis. Wer Beziehungen zu einem Landwirt hat, kann vielleicht

Dreschabfälle ganz umsonst bekommen. Sonnenblumen kann man bekanntlich

problemlos im Garten anpflanzen und die ausgereiften Blütenkörbe

abschneiden und aufbewahren – vorausgesetzt, man hat sie zuvor mit einem

Tuch gegen vorzeitiges Auspicken geschützt.

Körnerfutter ist das preiswerteste, aber auch bequemste sowie in der

Regel am wenigsten sinnvolle Winterfutter, da unsere Sperlinge und die

Familie der Finkenvögel am wenigsten gefährdet sind. Am ehesten sind

noch die Hühnervögel in Notzeiten auf Körnerfutter (Getreide,

Buchweizen, Erbsen etc.) – aber nicht nur auf dieses – angewiesen.

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Körner-Fett-Mischungen

Unsere Meisen, Kleiber und Spechte bezeichnet man auch als

»Gemischtfresser«, da sie außer tierischer Kost im Winter auch

(ölhaltige) Sämereien aufnehmen. Diese Kombination kennen wir z. B. von

den bekannten Meisenknödeln sowie Meisenringen, -glocken etc., und wir

können sie auch leicht selbst herstellen: Man kauft sich Rinder- oder

Hammeltalg, erwärmt ihn leicht und fügt etwa die doppelte Menge einer

Körnermischung (siehe oben) hinzu. Etwas zusätzliches Speiseöl

verhindert, daß das Fett zu hart wird und bröckelt. Die fertige Masse

formt man dann zu Knödeln oder Würsten oder füllt sie in geeignete

Fettfutter-Spender. Sie sollte möglichst frisch angeboten werden, da

ranziger Talg (oder Flomen) den Vögeln nicht bekommt. Dieses Mischfutter

ist ebenfalls recht billig und leicht zu verfüttern, wird aber auch oft

mehr verfüttert, als im Einzelfall erforderlich ist.

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Weichfutter

Unsere Insekten- und Früchtefresser, also die Drosselarten und

Baumläufer, Rotkehlchen, Zaunkönig, Heckenbraunelle, Schwanzmeise,

Wintergoldhähnchen, Seidenschwanz und Star etc., sind am Futterplatz

meist weniger häufig als die vorgenannten Arten zu beobachten und kommen

mit grobem Körnerfutter natürlich nicht zurecht, wohl aber mit dem Fett

des genannten Mischfutters, sofern dieses gut erreichbar ist. Besser

ist es jedoch für diese Vögel, dem Talg Weizenkleie, Beeren und

Haferflocken im Verhältnis 1:1 zuzugeben – vielleicht sogar Fischmehl

oder eine Weich- bzw. Aufzuchtfuttermischung, die allerdings, wenn sie

viele Insekten enthält, nicht billig ist. Die meisten Weichfresser

nehmen solche Talgmischungen allerdings lieber in zerbröseltem Zustand

vom Boden auf.

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Zum Ausstreuen eignen sich ferner Haferflocken, die man in heißem Fett

gewälzt hat oder fertig als Fettflocken kauft, gekochter Reis (ohne Salz

und Gewürze!), ganze (!) Früchte, Rosinen und nicht zuletzt die Beeren

unserer heimischen Sträucher: Holunder, Eberesche (= Vogelbeere),

Mehlbeere, Schneeball, Efeu, Pfaffenhütchen, Berberitze, Liguster,

Hartriegel, Kornelkirsche, Weißdorn und Schwarzdorn (= Schlehe),

Hundsrose (= Heckenrose), Hagebutte und andere [3, 10]. Dem

Interessierten sei das Buch von WITT [22] empfohlen. Grobe, also gute,

insektenhaltige Weichfuttermischungen sind natürlich auch sehr beliebt,

aber auch teuer.

Manche Arten mit zarten, langen Schnäbeln, z. B. Lerchen und

Heckenbraunellen, fressen übrigens auch feine Sämereien vom Mohn, Salat,

Wegerich, Hirtentäschelkraut oder von Gräsern.

Körner-Fett-Weichfutter-Mischungen

Für kleine und mittelgroße Vogelarten gibt es die bislang genannten

Futterarten auch in Gesamtfutter-Mischungen, z. B. von der Firma P.

Kölln in Elmshorn, deren »pekafit« vom NABU (ehemals DBV) für alle

Körner-, Gemischt- und Insektenfresser empfohlen wird. Die 500-g- und

2,5-kg-Packungen enthalten mit tierischen Fetten angereicherte

Haferflocken, Rosinen und Vogelbeeren, Glanzsaat, Hirse und Hanf,

Erdnüsse, Rindertalg, Fleischgrissel, Bachflohkrebse und Kraftpellets –

also für die meisten "Wintergäste" etwas.

Die Fütterung mit solchen Gesamtfutter-Mischungen arbeitet also nach

dem »Gießkannen-Prinzip«, und dieses hat auch Nachteile: Das

Nahrungssuchverhalten vieler seltener und scheuer Weichfresser kann man

am ehesten am Boden berücksichtigen, wo sich aber auch die häufigeren

Arten, z. B. Sperlinge, Grünfinken, Meisen, Amseln, Rabenvögel etc.,

recht schnell einfinden und auch das Fett- und Weichfutter in kürzester

Zeit "wegputzen".

Auch für größere Vogelarten gibt es Fertigmischungen. Für Wasservögel

empfiehlt sich ein Winterfutter, das neben einem handelsüblichen

Geflügelfutter (für Hühner, Gänse und Enten) aus Getreide (vor allem

Hafer, Gerste und Bruchmais) und anderem Körnerfutter, zerkleinerten

Eicheln, gedämpften Kartoffeln, Salat, Wildkräutern (z. B. Löwenzahn),

Obst und Garnelenschrot etc. besteht. Trockenes Brot ist nur ratsam,

wenn es sofort gegessen wird. Viele Hühnervögel lassen sich ähnlich

verpflegen [1,10].

Futtertiere, Fleisch

Insekten und Krebstiere sind in käuflichem Weichfutter enthalten und

ein ebenso hochwertiges wie teures Futter, besonders wenn man sie lose

kauft. Lebende Insekten oder ihre Entwicklungsformen zu verfüttern,

lohnt sich wegen des Aufwandes und der tiefen Temperaturen nicht.

Das Verfüttern lebender Mäuse allerdings kann in harten Wintern manche

Eule und manchen Mäusebussard oder Turmfalken vor dem Verhungern retten,

verlangt aber auch ganz spezielle Kenntnisse (siehe unten). Unter den

Taggreifen gibt es übrigens viele Arten, die – anders als etwa der

Sperber (ein Vogeljäger) – auch Aas annehmen und die man daher ebenso

wie die Rabenvögel (= Allesfresser) mit Schlachtabfällen – also

Muskelfleisch, Herz und Leber – über lange Schnee- und Frostperioden

bringen kann. Fischfressende Arten brauchen lebende kleine Fische.

Ungeeignetes Futter

Nicht geeignet sind Küchenabfälle, besonders gesalzene und gewürzte,

sowie Brot und Kuchen, da Backwaren rasch Feuchtigkeit ziehen und

verderben. Auch reines Streichfett (Margarine und Butter) ist

gefährlich, und Früchte sollte man – ebenso wie Fleisch – nur in ganzen

Stücken oder in Hälften reichen, denn kleinere gefrorene Stücke könnten

von den Vögeln ganz verschlungen werden, während die kleineren

Portionen, die sie sich aus den Früchten bzw. dem Fleisch herauspicken,

im Magen sehr schnell tauen und daher harmlos sind.